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Artikel aus dem „Hunde-Journal“, Heft 118, 2. Jahrgang 2001
Bevor die ersten Zecken kommen
von Dr. med. vet. Martin Pauli, Waldkirchen

Erwachsene Zecken: Links Männchen und rechts Weibchen (Holzbock)
Der Frühling naht und damit werden wieder die Zecken aktiv. Zecken sind nicht nur ein hygienisches Problem, sondern auch ein gefährliches, da durch sie Krankheiten übertragen werden können. Durch den Zeckenbiß werden mit dem Speichel die spezifischen Krankheitserreger auf das betroffene Wirtstier übertragen. Auch entstehen häufig an der Injektionsstelle lokale Infektionen.
In den gemäßigten Breitengraden haben die Zecken besondere Bedeutung bei der Übertragung der Borreliose oder Lyme disease (Borrelien), dem Virus der Frühsommermeningitis (FSME) und der Babesiose (Piroplasmen). Die Babesiose spielt in Deutschland eine untergeordnete Rolle, da sie in den Tropen und Subtropen beheimatet ist. Allerdings wurde diese Krankheit durch den zunehmenden "Hundetourismus" auch schon nach Deutschland eingeschleppt.
Im Gegensatz zum Flohbefall, der ganzjährig erfolgen kann, kommt es zum Zeckenbefall hauptsächlich von März bis Juni und dann wieder von September bis Oktober. In trockenen Sommermonaten sind Zecken weniger aktiv. Optimale Umweltbedingungen sind 17 bis 20 °C Umgebungstemperatur und 80 bis 95% Luftfeuchtigkeit.
Zecken leben im Gestrüpp unserer Wälder und je nach Entwicklungsstadium in unterschiedlichen Höhen.
In Deutschland heimisch ist Ixodes ricinus, der gemeine Holzbock. Diese Zeckenart kommt mit Abstand in Deutschland am meisten vor. Durch Hundetourismus aus Südeuropa eingeschleppt, und in einigen Regionen schon heimisch, ist Rhipicephalus sanguineus, die braune Hundezecke. Diese Zecke kann sich allerdings in unseren Breitengraden nur in Wohnungen vermehren. Sie befällt nicht Katzen oder den Menschen, sondern nur den Hund.
Entwicklungszyklus der Zecken:
Die Zecken haben, wie auch die Flöhe, mehrere Entwicklungsstufen. Allerdings machen sie keine Puppenruhe durch (hemimetabole Insekten); es finden sich folgende Entwicklungsstadien: Eier – Larve – Nymphe – adulte Zecke.

Hier unten: Eine vollgesogene Zecke (Holzbock)
Die vollgesogenen Weibchen legen unter Steinen und Pflanzen ihre Eier ab; danach sterben sie. Nach ca. 3-5 Wochen schlüpfen die 6-beinigen Larven. Diese haben ein spinnenähnliches Aussehen und sind ca. 1mm groß. Nach 5-7 Wochen häuten sich die Larven zur 8-beinigen Nymphe und nach wiederum 10-18 Wochen häutet sich die Nymphe zur erwachsenen (adulten) Zecke.
Jedes Entwicklungsstadium muß Blut saugen, bevor es sich zum nächsten Stadium häutet. Je nachdem, ob jedes Entwicklungsstadium ein neues Opfer befällt, Blut saugt und sich anschließend wieder fallen läßt, oder ob die gesamte Entwicklung auf einem Wirt stattfindet, unterscheidet man ein- und dreiwirtige Zecken. Ixodes ricinus ist dreiwirtig, also befällt jedes Entwicklungsstadium der Zecken ein neues „Opfer“. Die Larve befällt meist kleine Säugetiere (z. B. Nagetiere), die Nymphe etwas größere Säugetiere, wie z. B. Vögel oder Eichhörnchen, aber auch häufig Kinder und unsere Haustiere. Die adulte Zecke von Ixodes ricinus befällt sowohl Hunde, Katze, Rinder Schafe und andere Wild- und Haustiere als auch den Menschen.
Bei Rhicipicephalus sanguineus handelt es sich ebenfalls um eine dreiwirtige Zecke. Allerdings befällt diese Zecke ausschließlich den Hund.
Die Entwicklung des Holzbockes kann innerhalb ein paar Monaten vonstatten gehen. Meist dauert sie aber 2 bis 3 Jahre, da nicht immer ein geeigneter Wirt zur Verfügung steht. Die Entwicklung von Rhicipicephalus sanguineus verläuft dagegen im allgemeinen schneller, da diese Zeckenart nur auf eine Spezies angewiesen ist.
Erwachsene Zecken kann man morphologisch gut an der Beinstellung unterscheiden. Bei Ixodes ricinus ragen die Beine am Kopfbereich vorne heraus, wohingegen bei Rhicipicephalus sanguineus die Beine seitlich herausragen. Auch verankert sich Rhicipicephalus sanguineus nicht so stark in der Haut, so daß diese Zeckenart leichter zu entfernen ist.
Krankheiten durch Zecken
Bei den Krankheiten die durch Zecken übertragen werden, spielt in unseren Breitengraden besonders die Borreliose (Lyme Disease) und die FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) eine Rolle.
Borreliose:
Die Borreliose, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht und durch den Holzbock übertragen wird, stellt insofern ein Problem dar, da sie häufig nicht erkannt wird. Neben allgemeinen unspezifischen Symtomen, wie gestörtes Allgemeinbefinden, Anorexie und Fieber, werden besonders Gelenksentzündungen und wechselnde Lahmheit beobachtet. Der Krankheitsverlauf entwickelt sich oft erst nach Monaten, so daß der Zusammenhang zwischen dem Zeckenbiss und den Symtomen leicht übersehen wird. Frühzeitig diagnostiziert läßt sich die Borreliose mit Antibiotika gut bekämpfen.

Massenbefall mit Zecken, wie er in der Hauptsaison vorkommt. Darum ist die Vorbeuge wichtig, sie tötet Zecken ab, bevor sie sich festbeißen und Blut saugen. Haut und Fell bleiben zeckenfrei.
FSME:
Die Frühsommermeningoenzephalitis wird durch ein Virus (Flavovirus) ausgelöst, das auch durch den Holzbock übertragen wird. Diese Krankheit tritt nur in bestimmten Gebieten Deutschlands auf (Süddeutschland). Neben Bewußtseinsbeeinträchtigungen findet man bei dieser Krankheit meist neurologische Symptome und i. d. R. Fieber. Zur Vorbeugung steht beim Menschen eine Schutzimpfung zur Verfügung, den Hund kann man nur durch eine Zeckenprophylaxe schützen.
Zeckenprophylaxe
Das Ziel bei einem Schutz vor Zecken sollte eine Zeckenprophylaxe sein, so daß die Zecken abgetötet werden, bevor sie sich festbeißen und Blut saugen. Nur so kann eine Übertragung von Krankheitserregern ausgeschlossen werden.
Nur Substanzen, die als Repellent wirken, können den Biß der Zecke verhindern. Sie halten die Parasiten von der Haut fern, gleichzeitig nehmen die Parasiten aber durch ihre Fluchtversuche genug chemische Substanz auf, so daß sie abgetötet werden. Diese Repellenteigenschaft besitzt z. B. der Wirkstoff Permethrin. Permethrin wird in der wissenschaftlichen Fachliteratur als sehr gut verträglich beschrieben.
Den Wirkstoff Permethrin gibt es in mehreren Formulierungen, wie Halsbänder, Puder, Shampoos und auch als spot-on Präparat (z. B. EXspot®). Als besonders praktisch haben sich die spot-on Präparate bewiesen. Dies sind Lösungen, welche in kleinen Ampullen verpackt sind und direkt punktuell auf die Haut aufgetragen werden. Bei dem spot-on Präparat EXspot® (nur für Hunde) verteilt sich die Substanz über die Hautoberfläche innerhalb vom 24 h und wird dann in den oberen Hautschichten eingelagert. Die Wirkungsdauer beträgt 4 Wochen, da das Präparat mit der Zeit durch die natürliche Hautschuppung abgestoßen wird. Der Hund kann unbedenklich gestreichelt werden. Regen, aber auch gelegentliches Baden beeinträchtigt die Wirkung nicht.
Falls sich doch eine Zecke festgebissen hat, sollte diese unter „Streßvermeidung“ möglichst schnell und schonend entfernt werden, da es sonst zu einer verstärkten Übertragung der Krankheitserreger kommen kann. Die Krankheitserreger befinden sich unter anderem in den Speicheldrüsen im Hinterleib. Eine Quetschung des Zeckenkörpers sollte daher vermieden werden. Am besten wird die Zecke unter einer leichten Drehbewegung mit einer Pinzette entfernt. Ein Betäuben der Zecke mit Öl, Klebstoff oder sonstigen „Hilfsmitteln“ sollte tunlichst vermieden werden. Falls der Zeckenkopf in der Haut verbleibt, so wächst dieser meist nach einer gewissen Zeit heraus. Er kann sich aber auch abkapseln und bleibt so als kleines Knötchen zurück. Wenn eine Entzündung entsteht, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Zecken stellen ein nicht unerhebliches Risiko dar. Eine Prophylaxe gegen Zeckenbefall ist einfach möglich – der verantwortungsvolle Hundebesitzer schützt daher seinen Vierbeiner regelmäßig mit modernen spot-on Präparaten wie z. B. EXspot®.
Fotos: Dr. Liebisch, Großburgwedel
Anmerkung: In den letzten Jahren sind verschiedene Präparate mit sehr guten Wirkungen gegen Zecken auf den Markt gekommen. Ebenso eine vorbeugende Impfung gegen die Borreliose-Erkrankung.
Unser Praxisteam berät Sie gerne persönlich.